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Crowdinvesting - Risikostreuung als unterschätztes Optimum

Crowdinvesting - Risikostreuung als unterschätztes Optimum

Gastbeitrag von Prof. Dr. Ralf Beck, Wirtschaftswissenschaftler an der Fachhochschule Dortmund

In Deutschland setzen Anleger sehr stark auf sichere Geldanlagen, aus Sorge, etwas verlieren zu können. Ein bis anderthalb Prozent Zinsen sind derzeit für sichere Anlagen machbar. Eine solche Anlagetaktik wird in den meisten Fällen allerdings nicht zum Optimum führen. Gerade in den jetzigen Zeiten erkauft man sich die Sicherheit mit Zinsen, die teils sogar unterhalb der Inflationsrate liegen. Viele Anleger verkennen, dass man Verluste einfach mit einkalkulieren kann und sollte. Wer jedoch alles auf eine Karte setzt, handelt womöglich mit Zitronen, besteht doch die Gefahr, dass genau sein (einziges) Investment versagt. Aber: Der Verlust im Einzelfall ist keineswegs dramatisch, wenn die Verzinsung an anderer Stelle diesen überkompensiert. Das geht aber nur durch eine Streuung der Anlagen. Letztlich ist nicht das Chance-Risiko-Verhältnis jeder einzelnen Geldanlage für sich von Belang sondern die Gesamtsicht.

Aufgrund der zum Teil möglichen extrem niedrigen Anlagebeträge für einzelne Investments über ein Crowdinvesting, lässt sich das Risiko auch dann stark streuen, wenn dem Anleger nicht allzu viel Geld zur Verfügung steht oder er einfach nicht viel einsetzen möchte. Eine breite Risikostreuung ist hier umsetzbar. Nicht alle Plattformen ermöglichen dies aber für den Mikroinvestor. Ein Mindesteinsatz in Höhe von 250 Euro je Investment, wie er gelegentlich im Crowdinvesting auftaucht, ist schon schwer grenzwertig für einen normalen Mikroinvestor. Es finden sich sogar noch höhere Einstiegsbeträge, die der Risikostreuung damit noch stärker entgegenwirken. Klar, der Millionär lacht über Beträge von 250, 500 oder 1.000 Euro, aber wir nicht, die Crowd.

Plattformen wie Fundsters, Companisto und Welcome Investment unterstützen unsere Risikostreuung hingegen äußerst gut durch sehr niedrige Mindestbeträge pro Einzelengagement, geizen allerdings ein wenig mit neuen Projekten, in die sich investieren ließe. Ideal wäre es, wenn uns reichlich (spannende) Start-ups zur Beteiligung angeboten würden, damit wir richtig schön streuen können. So weit ist es allerdings noch nicht. Die Pipelines der Plattformen sind einfach noch nicht voll genug. Hoffen wir, dass sich dies in Bälde ändern wird, ohne dass dies jedoch zu Lasten der Qualität der Projekte geht.

Nun aber zu meinen Erfahrungen mit der Risikostreuung. Zunächst dies: Über ein Crowdlending (Kredite von Privatpersonen an andere Privatpersonen oder Unternehmer) konnte ich das Risiko extrem gut streuen, da ich viele Projekte mit geringen Einstiegsbeträgen vorfand. Die beim Crowdinvesting noch bestehende soeben skizzierte Lücke hinsichtlich der Streuungsmöglichkeiten kann ich darüber schließen. Über Crowdinvestings und Crowdlendings habe ich in Summe inzwischen rd. 100 unterschiedliche Anlagen getätigt, dies mit einem Durchschnittsanlagebetrag in Höhe von rd. 35 Euro. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass davon 7, 8 oder 9 in einem Totalverlust enden werden. Ich warte schon darauf.

Bei den (relativ vielen) meiner Crowdlending-Engagements ist eines im Inkasso gelandet und ich bin gespannt, was dabei noch rausspringt. Meine Crowdinvesting-Unternehmen sind noch vollzählig. Insgesamt sind nach meinen Informationen inzwischen drei crowdfinanzierte Unternehmen endgültig gescheitert (betandsleep, sporTrade und Amsaa mit dem Projekt XCreator; von letztgenanntem finde ich keine Lebenszeichen mehr, jedoch auch keine offiziellen Aussagen hinsichtlich seines Endes), womit die Versagensquote bisher bei rd. 2,5% liegt. Weitere Totalverluste wird es sicherlich von Zeit zu Zeit geben, zumal das Crowdinvesting als risikoreicher angesehen werden kann als das Crowdlending. Allerdings sind die Gewinnchancen beim Crowdinvesting auch höher, sogar deutlich höher.

Ich hätte nie gedacht, dass ich den Verlustrisiken dermaßen entspannt gegenüber stehe. Die bisherige bzw. die zu erwartende Verzinsung ist derart hoch, dass es schon fast unverschämt wäre, wenn es gar keine Ausfälle gäbe. Beim Crowdlending lässt sich die Sache schon halbwegs gut einschätzen, weil es dort schon längere Erfahrungen und zudem viel frühzeitiger Rückflüsse gibt als beim Crowdinvesting. Das Crowdinvesting ist immer noch eine Black box bezogen auf die Rendite. Mehr werden wir erst dann erfahren, wenn die ersten Mindestlaufzeiten beendet sind und nach dem Exit erstmalig abgerechnet werden kann.

Summa summarum kalkuliere ich mit einer Verzinsung in Höhe von 15% über beide Anlageformen hinweg. Bin gespannt, ob das eintrifft und entspannt im Hinblick auf ganz gelegentliche Ausfälle. Der Puffer ist groß genug. Worauf ich nunmehr warte, ist eine größere Auswahl von Crowdinvesting-Projekten, die mit attraktiven Konditionen behaftet sind und meine Risikostreuung unterstützen. Ob mein Denken so von vielen anderen potenziellen Investoren geteilt wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Was m.E. bleibt: Das Crowdinvesting hat noch enorme unausgeschöpfte Potenziale und könnte sich, wenn alles gut läuft, allein in Deutschland im Laufe der Jahre zu einem Milliardenmarkt hin entwickeln.

Buchhinweis:
Crowdinvesting: Die Investition der Vielen (2. Auflage)
Autor: Prof. Dr. Ralf Beck
ISBN: 9781495263842
Natürlich auch im gut sortierten Buchhandel

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